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MLP: Aggressive Kundensuche an Hochschulen
Zweifelhafte Akquisitionsmethoden
Der Finanzdienstleister MLP versucht an Hochschulen systematisch Studenten als Kunden zu gewinnen
Wir wollen an dieser Stelle nicht nur positive Beispiele von Hochschulmarketing aufzeigen, sondern auch Beispiele zeigen, wie man es nicht machen sollte. Wer vor ca. 10 Jahren an den Schweizer Hochschulen studierte, kennt die diversen Seminare des Finanzdienstleisters MLP. MLP fokussiert sich primär auf die Beratung von Akademikern in Vorsorge- und Vermögensfragen. Entsprechend ist natürlich an den Hochschulen das grosse «Kundenreservoir» zu finden. MLP konnte jedoch nicht aktiv als Berater/Verkäufer auftreten, weshalb man schon damals den Umweg über das Anbieten von kostenlosen Bewerbungsseminaren nahm. Offenbar liessen sich die Schweizer Akademiker aber nicht überzeugen, auf jeden Fall stellte MLP vor ein paar Jahren das Schweizer Geschäft ein.
In diesen Tagen berichtet nun die deutsche «Zeit» über die Aktivitäten der MLP an den deutschen Hochschulen: Dort versuchen die Berater mittlerweilen, mit vertraglich festgehaltenen und umfassenden Partnerschaften mit den Hochschulen direkt an die Adressen der Studierenden und Absolventen zu kommen. Sie nutzen dabei vor allem die fehlenden finanziellen Mittel der Career Service Center aus, welche sonst keine eigenen Bewerbungsseminare etc. anbieten könnten. Dafür hat MLP 2006 eine eigene Abteilung «Hochschulmanagement» gegründet. Nun aber regt sich langsam der Widerstand, da immer offensichtlicher wird, dass es MLP im Grunde nur darum geht, umfangreiche Datenbanken über potentielle Kunden aufzubauen.
«Die Übergriffe der Wirtschaft werden immer frecher», sagt die Bildungsforscherin Andrea Liesner von der Uni Hamburg. Wenn Hochschulen Firmen Kunden zuspielten, sei eine Grenze überschritten. «Privatunternehmen und Bildungseinrichtungen haben unterschiedliche Aufgaben», sagt Liesner, »ihre Zusammenarbeit muss transparent und öffentlich kontrollierbar bleiben.
Partnerschaften zwischen Unternehmen und Hochschulen werden immer häufiger und intensiver und im Normalfall profitieren alle - inklusive den Studierenden. Allerdings tun Hochschulen gut daran, solche «Public Private Partnerships» sorgfältig zu prüfen. Und Unternehmen sind aufgefordert, den Hochschulen und ihren Studenten einen echten Mehrwert ohne direkte kommerzielle Interessen zu bieten; ansonsten schaden sie sowohl sich selber wie auch verhindern sie, dass andere Unternehmen sinnvolle Partnerschaften eingehen können.
Veröffentlicht am 25.01.2009 um 21:09 Uhr von Patrick Mollet | Permalink
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