StudiMedia - Newsblog

Das Ende der Absolventenmessen?

Sinkende Relevanz der klassischen Messen

Die klassischen Recruiting-Veranstaltungen verlieren rasant an Relevanz. Allerdings konnten sich noch keine wirklichen Alternativen etablieren.

Letzen Donnerstag fand in Zürich zum 20. Mal die grösste Recruiting-Veranstaltung der Schweiz, der Absolventenkongress 2010, statt. Füllte der professionell organisierte Kongress vor ein paar Jahren noch zwei Hallen in der Messe Zürich, so hatten dieses Jahr fast alle Stände der Unternehmen in einer einzigen Halle Platz, die Stände waren nicht mehr so dicht beieinander und der Gang schien breiter als auch schon. Statt 120 Firmen wie im Vorjahr verzeichnete Veranstalter Staufenbiel noch 100 Anmeldungen, was immerhin ein Minus von 17% bedeutet. Während viele kleine Unternehmen, insbesondere aus der Industrie, der Veranstaltung ganz fernblieben, reduzierten die allermeisten Unternehmen ihre Standflächen und nur noch drei Aussteller leisteten sich eine Standfläche von 100m2 oder mehr. Eine kurze Umfrage von StudiMedia zeigte, dass einerseits Kosten gespart werden müssen (alleine die Miete einer Standfläche für einen einfachen Reihenstand CHF 390 pro m2, ohne Stand, Material und Personal) und andererseits wenig freie Stellen verfügbar sind und man nicht zu hohe Erwartungen wecken wolle. Vereinzelt wollte man sich auch einfach aufgrund der Krise generell bescheiden zeigen.

Immerhin waren die meisten Aussteller zufrieden mit der Anzahl Besucher und stellten insbesondere fest, dass dieses Jahr mehr Absolventen die Messe besuchten, die aktuell auf Stellensuche sind und konkret an einem Einstieg interessiert sind. Dies ist nämlich das Problem einer Vielzahl der Absolventenmessen an den Universitäten und Fachhochschulen: Die Studenten erachten die Messe eher als unterhaltsames Happening und sammeln in den Pausen und Zwischenstunden oftmals wahllos Give-Aways. Gerade Messen, die auf dem Campus der Hochschulen stattfinden (z.B. die Career Days von AIESEC), ziehen primär schlecht vorbereitete Studenten mitten im Studium und nicht die stellensuchenden Absolventen an. Teilweise fehlt es auch an der Unterstützung durch die Schulleitung: So gab in einem Jahr die Leitung des Departements Wirtschaft an der ZHAW Winterthur ihren Studenten am Tag des Absolvententags nicht frei, so dass die Stände von Unternehmen aus den Bereichen Bank, Versicherung, Wirtschaftsprüfung und Consulting kaum Besucher verzeichneten.

Im Gespräch mit Kunden stellen wir deshalb immer häufiger eine grosse Unzufriedenheit mit den heutigen Absolventenmessen fest und sie stellen den personellen und finanziellen Aufwand in Frage. Aktuell dominiert noch die Angst vor einem Imageverlust bei einem Verzicht auf eine Messeteilnahme, wenn die direkte Konkurrenz nicht auch verzichtet. Gleichzeitig haben aber auch zahlreiche Unternehmen eigene spannende Events im Programm: Firmenbesichtigungen, CEO-Talks, Ski-Weekends, kostenlose Bewerbertrainings, Workshops - das sind nur einige der Anlässe, aus denen die Zielgruppe heute wählen kann. Der Aufwand zur Organisation eines solchen Events ist natürlich um ein Vielfaches grösser. Zudem benötigt ein eigener Event zusätzliche Kommunikationsmassnahmen; ein Punkt, an dem leider dann oft gespart wird, so dass man schlussendlich unzufrieden mit der Anzahl Anmeldungen ist.

Fakt ist, dass sich zurzeit fast alle Unternehmen schwer tun mit sinnvollen Alternativen zu den klassischen Messen. Hinzu kommt, dass sich auch das Mediennutzungs- und Informationsverhalten der Studenten geändert hat: Informationen über Arbeitgeber und Einstiegsmöglichkeiten werden heute aktiv, laufend und primär online eingeholt. Ein zeitgemässes Personalmarketing muss es deshalb schaffen, sein Zielpublikum auf unterschiedlichsten und bereits bestehenden Kommunikationskanälen zu erreichen (Stichwort: Multi-Channel-Kommunikation). Auch wenn Absolventenmessen heute noch ein probates Mittel im Hochschulmarketing sind, so müssen sich Unternehmen bereits jetzt auf das Nach-Messe-Zeitalter vorbereiten.

Veröffentlicht am 15.12.2009 um 20:41 Uhr von Patrick Mollet | Permalink
Kategorien: HochschulmarketingEmployer Branding - Alle Kategorien zeigen

Trackback URL: Trackbacks sind für diesen Eintrag nicht erlaubt
Bookmark and Share

2 Kommentare zu dieser News

Stefan Steiner (http://www.blogstone.net) am Samstag, 30.01.10 um 16:34

Interessanter Artikel. Ja vor allem Bewerbertrainings werden ja einige durchgeführt. Aber gerade für Firmenbesichtigungen und andere Events sind oftmals die Kommunikationsmassnahmen entweder zu kurzfristig oder aber die entsprechenden Studenten erfahren gar nichts von den geplanten Aktionen, was ziemlich schade ist.

Patrick Mollet am Freitag, 05.02.10 um 09:12

Das Problem ist, dass für die Kommunikation dann meistens kein Budget oder irgendwie CHF 500 verfügbar sind und sich dann die Firmen wundern, warum die Studenten nichts vom Anlass wissen.

Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.
People